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Die Schrecken von Leipzig(Eine auf Tatsachen beruhende Geschichte) Wir schreiben das Jahr 1999 nach Christus. Die fünfte Mondwende neigt sich ihrem Ende. Dem Wahnsinn haarscharf entflohen, versuche ich eine der "schwärzesten" Geschichten für die Nachwelt festzuhalten, die ich je erlebt habe. Alles nahm vor einigen Wochen seinen Anfang. Das Unheil braute sich zusammenDunkle, rabenschwarze Gewitterwolken bauschten sich zu turmhohen, bedrohlichen Riesen auf und stritten um die Vorherrschaft am Himmel. Es war ein kalter, schwarzer Tag. Meine zukünftige Gemahlin trat in die fahl beleuchteten Gewölbe meiner nicht dunkel eingerichteten Behausung. Nachdem sie ihren wärmenden Rock abgelegt hatte, setzten wir uns an die Tafel. Ein gleissend heller Blitz durchzuckte die wogend wirbelnden Luftmassen und tauchte die Umgebung für einen Sekundenbruchteil in kontrastraubendes, blendendes Licht, als Sie mir die Botschaft vom Wave-Gotik-Treffen 1999 verkündete. Ich wusste, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. Einige gewaltige, blitzerleuchtete Donnererbeben später kurbelte ich meine Rechenmaschine an und befahl ihr, über das alles verbindende Netz, Kontakt mit dem seelenlosen Auskunftsherold des Wave-Gotik-Treffens aufzunehmen. Er sprach mit grossen, farbigen Worten von den beschaulichen, erfreulichen Veranstaltungen, die dort stattfänden - Mittelaltermarkt, heidnisches Dorf und klingende Darbietungen reich an der Zahl. Geblendet, liess ich mich von meinem - dazumal zu vorschnell erscheinenden - Nein abbringen und gab die schreckensschwangere Zustimmung zu der Reise. Die ZeichenDie Reisevorbereitungen erwiesen sich als so trügerisch einfach, wie ein stilles, kühles Wasser zu einem erfrischenden Rundschwumm einlädt, bevor einem der Barsch hinterrücks in den A.... beisst. So schien mit einem Spruch durch das Fernsprechrohr die Order der Passierscheine halb erledigt. Allerdings wollten die dunklen Wesenheiten der Veranstaltung den Zoll für die Passierscheine nicht auf herkömmliche Weise eintreiben - dies wäre mit der Uebergabe der magischen Kartenzahl, welche den Betrag flux zu den Wesenheiten hingezaubert hätte, viel zu einfach gewesen - sondern bestanden darauf, ein umständliches Verfahren anzuleiern, indem man den Zoll per Boten sandte, und anschliessend, nach Eintreffen desselben, der Bote mit den Passierscheinen von den Wesenheiten wiederum zurückgeschickt wurde. Scheinbar ist der Bote von seinem abenteuerlichen Weg abgekommen und hat sich mit einer Magd am Wegesrand vergnügt, da in unserem fernen Land kein Schimmer von seiner Gegenwart am Hügelrand zu erblicken war. Nach einer weiteren Zahl an Fernsprechrohrsprüchen, während derer die Wesenheiten uns zu verstehen gaben, dass sie die eingegangenen Zölle nicht mehr überblicken könnten und ebenso nicht wüssten, ob der Bote mit den Scheinen die Rückkehr schon angetreten habe, verblieben wir geduldig verharrend und schauten der Dinge, die noch kämen mögten (Eigenkreation des Konjunktiv II von mögen in grammatikalisch dramatischer Begleitung von kämen)... und sie kamen. Als dann war mit der Unterkunftsbeschaffung auf dieselbe Weise vorzugehen, wie bei der Passierscheinbeschaffung. Ein unglücklicher Zufall lenkte den Boten allerdings auf einen Umweg, so dass die Gebühr für die Behausung nicht rechtzeitig zu den Wesenheiten fand. Die Vermittlerin der hiesigen Geldbotenzunft hatte den Boten mit der falschen Nummer auf den Weg gesandt. Weitere Fernsprechrohrsprüche folgten, die wir während unserem belastenden Tagewerk durchführen mussten. Die Wesenheiten wiegten uns in verlogener Sicherheit, als sie von einem bedingten Ablassbrief sprachen, der uns das Dach über dem Kopf sichern sollte. Wir müssten jenes Pergament, welches die Wesenheiten zur Zwangseintreibung berechtigte, falls der Bote nicht rechtzeitig eintreffen würde, nur nach Ankunft unterzeichnen und die Räumlichkeiten ständen zu unserer Verfügung. Einen Tag vor der Abreise erlöste uns der Passierscheinbote aus unserer gebannten Warterei und wir hatten die Hoffnung, dass alles ein gutes Ende nehmen könnte - welch ein unsäglicher, dunkler, schicksalshafter, mir jetzt vollkommen unverständlicher, tief tragischer Trugschluss! Hätten wir doch die Zeichen zu deuten gewusst! Reiserei und AnkunftDie Reise mit der grossen, eisernen Vielwagenkutsche durch das germanische Flachland verlief erstaunlicherweise ohne Widrigkeiten und wir erreichten, nach dem wir achtmal das Stundenglas gedreht hatten, Leipzig. Zu dem damaligen Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass wir besser Urlaub in Dantes siebtem Kreis der Hölle gebucht hätten, als zu dieser Kultstätte der verwunschenen HirnUNtoten (nur was gelebt hat, kann sterben) zu reisen. Der jungfräulich unschuldig hellblaue Himmel barg nicht den leisesten Schimmer einer Vorahnung auf die kommenden Torturen. Nach einem kurzen Blick auf die Wegbeschreibung lenkten wir unsere Schritte in Richtung der kleinen, eisernen Wenigerwagenkutschen. Da wir etwas zu früh von der Kutsche abgesprungen waren, mussten wir die letzte Strecke zur Passierscheinausgeberei zu Fuss bewältigen. Welch ein Anblick! Hunderte von schwarzen Bettlaken mit spriessendem, bleichem Schimmelpilzköpfchen, mit bunten Haarfilzen, ausgestattet mit derart unmotivierend unlebendigem Gesichtsausdruck, sofern dieser nicht vollends von stählernen Rotzpatronen und Schnoderbügeln, welche die weissen Zinken zierten, verunstaltet wurde, bildeten zwei prozessionsartige Kolonnen vor der Scheinausgeberei. Es dauerte nicht lange, bis wir erfuhren, dass die uns gesandten Passierscheine wertlos seien, wenn wir nicht die schwarzen Teufelsbänder besässen, welche - wie nicht anders zu erwarten gewesen wäre - am anderen Ende der Bettlakenprozession ausgegeben wurden. Wir reihten uns in das tiefe Schwarz ein. Nach zweimaligem Drehen des Stundenglases erreichten wir die erste dunkle Wesenheit, den Passierscheinverwalter. Wie wir später noch erfahren sollten, waren andere Unglücksraben bis zu dreimal länger in der Teufelsbandkolonne gefangen. Anscheinend hatten die Wesenheiten nur zwei Scheinausgebereien für mehr als 30'000 Geladene errichtet - einen Eimer Wasser durch ein Nadelöhr zu giessen, wäre ein ähnlich kluges Unterfangen gewesen. Ebenso mussten sich die Inhaber der im Voraus bezahlten Passierscheine in dieselben Reihen gliedern, wie diejenigen, welche den Zoll vor Ort zu entrichten gedachten. Damals wussten wir noch nicht, dass dies alles keine Frage der Klugheit war, sondern eine Frage der absichtlichen Leidenswegverlängerung. Der Passierscheinverwalter befestigte mit kneifender Zange unverzüglich die Teufelsbänder an unseren Handgelenken und schmiedete somit die düstere Ereigniskette, welche noch vor uns lag. AGRA, die Provinz der irren Wirren oder der wirren Irren?Wir machten den grossen Fehler, uns bei dem Verwalter nach unseren Räumlichkeiten zu erkundigen, worauf er uns in die trostloseste Provinz namens AGRA verbannte. Noch unbeschwert traten wir den Weg in die entlegene AGRA mit der kleinen, eisernen Wenigerwagenkutsche an. Plötzlich stoppte die Kutsche, und der Kutscher verliess mit ernster Miene den Kutschbock. "Aufgrund einer gewaltigen Bettlakenverstopfung ist der Weg in die Provinz AGRA nicht zu befahren!", gab er mit ernsthafter Stimme kund. "Legt die restliche Strecke am Besten zu Fuss zurück". Der Blick meiner zukünftigen Gemahlin und der meinige trafen sich, um im tiefsten Grund unserer Seelenspiegel wechselseitig eine unsichere Ahnung des Kommenden aufzuspüren. Wir verliessen die Kutsche und machten uns auf den Weg. Ein dreiviertel Stundenglas verrann. Unsere Schultern schmerzten von den schweren Reisetaschen. Der letzte mündliche Auswurf des Kutschers klang noch höhnisch in meinen Ohren, als wir etwas gereizt die Provinz erreichten: "Haltet euch zuerst etwas links und anschliessend eher rechts, SCHON seit ihr da!". Der Wächter des hinteren Tors nahm uns in Empfang und prüfte unsere Teufelsbänder. Er liess uns passieren. "Torwächter, könnt Ihr uns sagen, wo wir die Zimmerverwaltung finden?", fragte ich freundlich, aber er hüllte sich in ein gedehntes Schweigen. "Keine Ahnung", liess er dann mit nachdenklicher Stimme verlauten: "Womöglich beim Haupteingang!" "Und wo befindet sich jene sagenumwobene Pforte?", entgegnete ich ihm. "Keine Ahnung... versucht es mal dort oben irgendwo", und er zeigte mit gestrecktem Finger in Richtung jenseits des Zeltlagers. "Dass er nicht einmal den Weg zum Haupteingang kennt?", schoss er mir durch den Kopf. Wir überquerten nun den wabrig schlammigen Boden des Zeltlagers - Ruhestätte jener Dunkelheiten, welche es bevorzugten möglichst günstig zu hausen, um mit dem Ersparten den Durchsatz an flüssigem Spiritus zu erhöhen. So war es auch nicht weiter erstaunlich, dass bei vielen die immerwährend an den Lippen hängende Flasche zu einem weiteren Körpergliedmass verschmolz. Und ich fragte mich, ob das wohl erblich sei? Die Vorstellung von unzähligen, kleinen, schwarzen Bettlaken mit flaschenförmiger Erweiterung der Unterlippe liess mich einen Moment erschaudernd innehalten, bevor wir unseren Gang nach Golgatha fortsetzten. Wir waren am Getränkeausschank jenseits des Lagers angelangt und beschlossen unsere von dem schweren Gepäck geplagten Körper durch ein kühles Getränk zu erfrischen. Nebenbei bot sich die Gelegenheit die Wirtin nach dem Weg zu fragen: "Werteste Wirtin, wisst Ihr, wo die Zimmerverwaltung zu finden ist?" "Oh, oh, leider nein, keinen Schimmer..." "Könntet Ihr uns vielleicht zeigen, wo wir uns hier auf der Karte befinden", ich hielt ihr die uns zugesandte Karte der Provinz AGRA unter die Augen, worauf jene wild schlingernd über der Abbildung zu kreisen begannen. "Nein... leider nein... keine Ahnung". Sie tuschelte mit den anderen Wirten und Wirtinnen; aber keiner wusste, wo sie sich und wir uns befanden. Ein feinstoffliches Fragezeichen verfestigte sich aus dem Nichts über meinem Kopf und dem meiner zukünftigen Gemahlin und drohte uns weniger feinstofflich zu erschlagen. Wir umrundeten nun mit den immer schwerer erscheinenden Taschen das grosse Gebäude. Es wurde umschwärmt von eisenbehängten, wandelnden Leintüchern, bei denen wir uns auch von Zeit zu Zeit, wenn uns eine Welle der schwindenden Zuversicht mitriss, nach dem Weg erkundigten. "Keine Ahnung", hörten wir hier und da, rechts und links, drüben wie hüben in der unüberschaubaren Weite der Provinz AGRA. Diese Geschöpfe funktionierten ganz offensichtlich nach einem mir völlig unbekannten Prinzip. Anscheinend schien es sie nicht zu stören, dass sie nicht wussten, wo sie waren, wer sie waren, woher sie kamen und wohin sie gehen würden. Die Hauptsache für die schwarzen Bettlaken war, dass Sie, sich mit ohrenbetäubendem Lärm zu donnernd, saufend in einem Sarg sitzend, zwischendurch die langgezogenen Fledermauszähnchen feilen konnten. Mir wurde klar, dass die Suche nach dem versunkenen Atlantis wohl von mehr Erfolg gekrönt gewesen wäre. Selbst die treuen Treffenhelfer, welche nicht dem Orden des unheiligen, schwarzen Bettlakens angehörten, waren verwirrt; jeder von ihnen zeigte nach der Wegerkundigung auf einen anderen Punkt der Karte. Die ZimmerverwaltungNach vier Stundengläsern schickte uns der letzte befragte Helfer jedoch in Richtung der Hauptpforte. Welch wundersame Begebenheit! Einer der wusste, wo sich die Hauptpforte befand! In einem letzten, verzweifelten aufzucken unserer Kräfte - meine zukünftige Gemahlin war den Tränen und ich einer Kernschmelze nahe - fanden wir das Hauptportal, wo sich unweit eine weitere, völlig unvermutet vorhandene Scheinausgeberei befand. "VOR JENER SCHEINAUSGEBEREI, nicht weit vom Hauptportal gelegen, werdet ihr die Zimmerverwaltung antreffen", hallte es in meinen Ohren nach, als ich den riesigen, schwarzen Wäscheberg vor der Scheinausgeberei fassungslos betrachtete. Im ersten Augenblick niedergeschlagen, liessen wir unsere Taschen auf den Boden gleiten. "Wo denn, wo DENNNNN??! Wo ist denn diese auf bis auf alle Ewigkeit verfluchte, vermaledeite Zimmerverwaltung!??" Ich wünschte mir einen grossen Zweihänder aus dem gehärteten Stahl einer Nibelungenzwergenschmiede, sowie einen Morgenstern, um meiner Wut ein Bisschen - nuuuur ein klitzekleineswinziges Bisschen - Luft zu verschaffen. Zornentbrannt und ratlos beschlossen wir mit dem Fernsprechrohr beim Gasthaus nach unseren Zimmern anzufragen. "Ja, mmmhhhh... ja... die Räumlichkeiten sind leider im Besitz der dunklen Wesenheiten, wir dürfen ihnen leider kein Zimmer ohne die Zustimmung der nachtschwarzen Herrschaften geben. Ihr könntet ja auch mit dem Fernsprechrohr die Zimmerverwaltung nach den Räumen bitten.", war die niederschmetternde Antwort. Denn das Fernsprechrohr der Zimmerverwaltung blieb auch nach mehreren Versuchen stumm. Das über unseren Köpfen immerfort schwebende Fragezeichen schwoll nun zu einer immensen Fragezeichenpyramide an. Wir beschlossen die Suche nach der Zimmerverwaltung aufzugeben, bevor die Pyramide auf uns herniederkrachte und wollten nun persönlich beim Gasthaus vorsprechen. Wir hatten uns schon auf eine der Bänke an der Kutschenhaltestelle gesetzt, als plötzlich zwei gut gesinnte, alte Freunde aus der Menge der immer noch herumstreunenden Leintücher hervortraten. Als Sie uns kundgaben, dass sie die Oertlichkeit der Zimmerverwaltung kannten, flog ein "Halleluja"-singender Engelschor daher, welche mit ihren dreizackigen Spiessen die Fragezeichenpyramide zerlegten. Unsägliche Kraft, deren unbekannter Herkunft ich mich nicht weiter wunderte, durchflutete meinen Körper. Ich sprang auf und folgte forschen Schrittes den Freunden, die uns direkten Weges vor die Zimmerverwaltung führten, wo die unsägliche Kraft sogleich von mir abfiel, wie die schuppige Haut einer überalterten Ringelnatter. Mir wurde schwindelig und mein Blut - welches im Gegensatz zu den wandelnden Bettlaken noch in ausreichender Menge vorhanden war - konzentrierte sich in einem Punkt an der vordersten Spitze meines grossen Zehs. Welch ein Hohn! Wankend trat ich einen Schritt zurück. Der Anblick war kaum zu ertragen. Ein Schildchen mit der Inschrift "Zimmervemietg." haftete trostlos auf Gürtelhöhe angebracht am Fenster neben der Scheinausgeberei. Der beste Späher, namens "Argus der Weitundumsichtige", mit den kristallklarsten Augen, hätte dieses zwanzig mal dreissig Zentimeter grosse Schildchen in der Untotenmenge nicht auszumachen vermocht, selbst wenn er magische Augengläser getragen hätte. "Geschätzte Dame", begann ich hochVERachtungsvoll und schleuderte Ihr die ganze Geschichte unserer Qual entgegen. "Kein Problem", entgegnete sie mit gesenktem Blick. "Ihr könnt, nachdem ihr dieses Pergament unterzeichnet habt, die Räumlichkeiten im "Gasthaus zu den vier Jahreszeiten beziehen" und bot den Ablassbrief dar. Nach kurzem Studium des vergilbten Blattes, ob da nicht doch noch eine Hexerei versteckt wäre, unterzeichnete ich die Bescheinigung. "Wie wollt ihr den zu dem Gasthaus gelangen?", fragte sie. "Mit der eisernen Wenigerwagenkutsche", entgegnete ich ein wenig überrascht. "Aber das Gasthaus ist doch nur ein viertel Stundenglass zu Fuss von hier entfernt, mein Herr!?" Sie gab mir eine Karte mit dem eingezeichneten Weg zum Gasthaus. Ich schritt, die Karte musternd von dannen, als mich plötzlich der Schlag traf. Mit krakeliger Schrift war da der Name eines anderen Gasthauses eingezeichnet. Schnaubend stürmte ich zur Zimmerverwaltung zurück und klatschte die Karte gegen die Scheibe, die mich von der Zimmerhexe trennte. "In WELCHEM Gasthaus sind denn nun die Räumlichkeiten?", zischte ich. Während ich mich genüsslich dem Gedanken der Wiedereinführung von Scheiterhaufen hingab, warf mir die Zimmerherrin ein verlegen zerknittertes Lächeln entgegen. "Aehm... ja... mmhhh." Hastig machte sie eine Korrektur in den Unterlagen und versicherte mir, dass jetzt die Zimmer wirklich im "Gasthaus zu den vier Jahreszeiten" zu unserer Verfügung stehen würden. Ich wandte mich mit blutunterlaufenem Blick ab und eine kurze Weile später verschwand auch der Schaum vor meinem Mund. Bis zum heutigen Zeitpunkt weiss ich nicht, welche Fügung des Schicksals uns in diesem Moment gerettet hatte - auf keinen Fall eine, die mit den Wesenheiten in irgendeiner Verbindung stand. Um ein Haar währen wir fast im falschen Gasthaus gelandet. Doch nun, nach einer einstündigen Kutschenfahrt, standen wir erschöpft und ausgebrannt vor den Betten. Wir fielen sofort in einen tiefen traumlosen Schlaf. Acht Stundengläser waren wir gereist, zum fünften und einen halben Stundenschlag am Morgen aufgestanden, zum fünfzehnten Stundenschlag angekommen. Zwei Stundengläser haben wir auf die Teufelsbänder gewartet, fünf Stundengläser und ein halbes sind wir herumgeirrt, bis wir schlafen konnten - das alles mit unserem Reisegepäck. MittelaltermarktDas Schlimmste hatten wir überstanden, da jedoch unsere Kräfte nach diesen ersten grossen Angriffen der Wesenheiten stark angeschlagen waren, mussten sie fortan auch nicht mehr ganz so viel Tücke in ihr düsteres Machwerk legen. Am ersten Tage nach unserer Ankunft beschauten wir den Mittelaltermarkt, welcher auch von seiner Lage her - zu Fuss von der Haltestelle der eisernen Vielwagenkutschen ein viertel Stundenglass entfernt - am einfachsten zu erreichen war. Wir sollten später noch fussschmerzlich feststellen, dass die Wesenheiten viel Geschick in die Auswahl der Festörtlichkeiten gelegt hatten. Sie hatten jeweils die grösste mögliche Entfernung zwischen den einzelnen Plätzen ausgewählt und verschleierten deren Lage durch vielerlei kleine Hinterhältigkeiten. Die Erste bestand aus zwei zweifelhaften, verzerrten Karten der leipziger Gegend, welche offensichtlich von einer frisch aus dem Winterschlaf aufgeschreckten, naturgegeben blinden, gotischen Domfledermaus gezeichnet wurden. Offensichtlich hatte eine Ueberdosis Weihrauch zusätzlich noch ihr Denkgewebe vernebelt, so dass sie gewisse Festlichkeiten zweimal, andere jedoch keinmal eingezeichnet hatte. Die zweite Hinterhältigkeit bestand in der geistreichen Erfindung des Nichtwegweisers. Ohne Schildchen, ohne Beschriftung, ohne Pfeil waren diese Nichtwegweiser das gelungene Gegenteil eines Wegweisers. Völlig gegenstandslos, so quasi aus NICHTS bestehend, wurden sie überall aufgestellt, auf dass sie einem den Weg nicht wiesen. Ausnahmsweise hatten die Wesenheiten nicht zu viel versprochen. War der Besuch des Mittelaltermarktes zwar keine Reise durch den halben Kontinent Wert, so bot er doch zumindest das, was der Auskunftsherold so grossartig angepriesen hatte. Den Dudelsackbläsern, Mittelaltertrommlern und der Feuertänzerin kam man nicht umhin ein grosses Lob auszusprechen und auch der Rest konnte sich sehen lassen. Ebenso waren die Gewölbe der Moritzbastei, welche nicht vollständig durch den Markt vereinnahmt wurden, äussert sehenswert - auch deshalb weil diese zur Mittagszeit kaum von den lichtscheuen Bettlaken bevölkert wurden. Leider liessen uns diese Mussestunden übermütig werden und wir begannen uns schon vorsichtig auf die Dinge, welche da noch kämen mögten zu freuen... und sie kamen... aber wenig freudvoll. Als wir den Mittelaltermarkt verliessen, begann ein Sturm kalte Regenschauer herumzupeitschen. Der Wind piff ein trauriges Lied durch unsere Glieder; und jetzt im nachhinein, meine ich mich zu erinnern, die Worte "Geht... geht meine Freunde, verlasst diesen verruchten Ort" gehört zu haben. Die Medusa der AGRAAngesichts der Wetterbedingungen beschlossen wir eine überdachte, musikalische Darbietung aufzusuchen. Ein Anfall von unangemessener Zuversicht, welche die leichten Bewegungen in der Magengegend nicht ganz übertönen konnte, lenkte uns in Richtung der "ahnungslosen AGRA". Zielstrebig, der Wenigerwagenkutsche frisch entsprungen, schlenderten wir über Nichtwegweiser hinwegsehend, denn wir wollten im Gegensatz zu der schwarzen Bevölkerung unser Ziel erreichen, durch das Hauptportal der AGRA. Mit zunehmender Bettlakendichte näherten wir uns dem Ort des Schauspiels. Die graue Vorahnung, die noch kurz zuvor gewisse Magenumwälzungen verursachte, schwoll nun zu einer rabenschwarzen Bestätigung des Befürchteten an. Eine baumkronenartig verästelte Bettlakenkolonne befand sich vor dem Einlass zur Musikhalle und bot aus gewisser Distanz betrachtet einen ähnlich ästhetischen Anblick wie ein Medusenhaupt. Die zeitweilige Versteinerung durchbrechend traten wir einige Schritte näher. Die dunklen Reihen schlängelten sich tentakelartig über den Vorplatz. Hie und da verstärkten grundlos hervorspriessende Tentakelableger die allgemein gegenwärtige Unordnung. Für einen kurzen Augenblick spielten wir mit dem Gedanken, uns vor irgendeinen Baum oder irgendeine Wand zu stellen und abzuwarten, ob sich nicht plötzlich hinter uns ebenfalls eine Bettlakenkolonne bilden würde (der Prozessionstrieb scheint eine äusserst tief verwurzelte Verhaltensweise der schwarz Gekleideten zu sein - sinnlos in irgendeiner Reihe stehend auf den glückseligen Untergang von allem zu warten). Wir verwarfen die Idee jedoch und beschlossen statt der Konzerte das heidnische Dorf zu besuchen, dass sich laut der Karte in der Nähe befinden sollte. Heidnisches DorfUm ganz sicher zu gehen, fragte ich den Torwächter des Hauptportals nach dem Weg, worauf dieser antwortete: " Gleich um die Ecke, die erste Strasse nach links". Wir bogen um die Ecke und machten uns auf den Weg. Zuerst zog die zweite Passierscheinausgeberei mit der Zimmerhexe an unserer Linken vorbei. Gewisse Oertlichkeiten, die der Erleichterung menschlicher Bedürfnisse dienten, folgten - ein verwirrender Umstand, denn es waren keine menschlichen Wesen zu sehen; menschlichen Ursprungs, ehemals Mensch gewesen, ja... möglicherweise ja... menschlich, NEIN! Wir folgten dem endlosen Zaun, der die AGRA umspannte und blieben schliesslich vor einer Verzweigung nach links stehen, die in einen jämmerlichen Weg mündete. Ratlos und schon Schlimmeres gewohnt, bogen wir ein. Die Karte wollte ja, wie wir schon wussten, keine besonders gute Uebereinstimmung mit unserer Umgebung finden. Der Zaun folgte uns immer noch zur Linken und wob ein undurchdringliches Netz aus Draht. Wir hörten von weitem den Lärm einer Untergangsfeier des schwarzen Ordens - die treffende Untermalung dieses Spaziergangs. Kleinbürgerliche Gärtchen reihten sich nun auf und rechts eine undurchdringbare Häuserfront. Der Weg wurde immer schmaler, ebenso die Aussicht auf das heidnische Dorf. Langsam erhöhte sich mein Blutdruck. Doch ungeachtet dessen setzten wir unsere Reise zum heidnischen Dorf fort. Die Gärten lagen weit hinter uns, als sich die Gegend wieder öffnete. Erstarrt blieben wir stehen! Wir standen nun an der hinteren Pforte der Provinz AGRA. Jene Pforte bei der wir gestern angekommen waren und welche in der Hälfte der Zeit zu erreichen gewesen wäre, hätten wir die Provinz durchquert. "Gleich um die Ecke, die erste Strasse links!" Unzählige, schwerwiegende Wurfgeschosse mit meinem inneren, geistigen Katapult gegen die offensichtlich leere Gehirndose des Hauptportaltorwächters donnernd, zog ich meine zukünftige Gemahlin durch das Tor, hinter dem sich möglicherweise das heidnische Dorf hätte befinden können - durch einen Nichtwegweiser wurde einem der Weg nämlich "nichtgewiesen". Ein heidnisches Dorf befand sich dort allerdings nicht, vielmehr ein heidnisches Vagabundenlager. Ein Feuerchen, eine Bierwirtschaft, eine Hand voll Ständchen und, als absoluten und einzigen kulinarischen Höhepunkt, einen Stand mit Bratwürsten und Brot. Die SchwertschaukRämpfchen konnten unsere Stimmung auch nicht mehr erhellen und wir zogen eine Bratwurst mit Brot später ab. ParkbühneDas nächste und letzte Ziel an diesem Tage, war die Parkbühne. Durch gründliches Studium des Festivitätsbeschriebes entdeckten wir eine Seite, auf der die Routen der Wenigerwagenkutschen zu den einzelnen Veranstaltungen beschrieben waren. Natürlich hatte dieser Beschrieb kein Inhaltsverzeichnis, noch war die vielsagende Seite unter den ersten des Heftchens zu finden - warum auch? Wir sprangen auf die nächste Wenigerwagenkutsche und liessen uns an die bezeichnete Haltestelle fahren. Wir verliessen die Kutsche und schlossen uns, der schwarzen Tradition des Umherirrens frönend, einer kleineren Gruppe schwarzer Gestalten an, die in Richtung eines grossen Parkes gingen - schwebten - schlichen - krochen. Mittlerweile hatten wir aufgegeben, irgend etwas zu erwarten, und konnten dadurch die ausgesprochen schöne Parkgestaltung bewundern und geniessen. Grosse Teiche, Bäume und saftige, grüne Wiesen lagen unter der leisen Abenddämmerung, die den Park in ihre geruhsamen Arme schloss. Mir wurde bewusst, dass ich ohne diese zauberhafte Frau an meiner Seite - meine zukünftige Gemahlin - jetzt und an jedem weiteren Tag meines Lebens verloren gewesen wäre. Durch ein schrilles Krächzen aus meinen Gedanken aufgescheucht, wandte ich meinen Blick in Richtung der Baumkrone, von der das Krächzen zu kommen schien. Aber nichts war zu erkennen. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das eine übergrosse Krähe war, oder, ob sich ein schwarzes Bettlaken im Gehölz verheddert hatte und nun verzweifelt um Hilfe schrie. Diese pflegen ja üblicherweise kopfüber an Aesten hängend zu schlafen, wenn sich nicht gerade eine gemütliche Zinne einer gotischen Kathedrale fand. Jedenfalls hatten wir die Parkbühne nach fast einem halben Stundenglas erreicht. Es wäre verwegen zu behaupten, dass diese nicht praktisch neben der Haltestelle der besagten Wenigerwagenkutsche läge und die Wegbeschreibung nicht klar und deutlich gewesen wäre. Nach dem wir ein, zwei Lieder einer Musikantentruppe mit lateinischem Namen gehört hatten, ergossen sich plötzlich übertheatralische, asphärische Leidensklänge aus den Lautsprechern und erinnerten an die Spülung eines mittelalterlichen Klosterplumpskloos. Wir verliessen hastig den Ort bevor die Musik - sofern man dies Musik nennen konnte - zu einem unangenehmen Sodbrand aufgährte. Eine leipziger LegendeWir hatten eine ruhige Nacht verbracht und wählten, an diesem, unserem glücklicherweise letzten Morgen, den Zaubermarkt aus den verbleibenden Anlässen aus. Dieser sollte gemäss der Karte in der Nähe unseres Hotels zu finden sein. Kurz befrühstückt, bestiegen wir - wie schon so oft - eine eiserne Wenigerwagenkutsche. Diese brachte uns zu der kreuzenden Haltestelle, wo wir die Kutsche wechseln mussten, um zum Markt zu gelangen. An der Haltestelle befanden sich seltsamerweise äusserst wenige Ordensbrüder und -schwestern des unheiligen, schwarzen Bettlakens. Um genau zu sein, fanden wir nur zwei. Da wir aus Erfahrung der Karte mißtrauten, wollten wir den Markt auf dieselbe Weise ausfindig machen, wie wir es gestern mit der Parkbühne getan hatten. Nur stand unser Plan, durch den Umstand, dass hier nur wenige der schwarzen Gesellen waren, denen man hätte folgen können, auf äusserst wackeligen Beinen - nämlich auf den vieren jener zwei. Etwas misstrauisch betrachteten wir die beiden und beschlossen vorsichtig Abstand zu halten, obwohl die Zwei nach einer Weile eigentlich einen ganz ungefährlichen Eindruck machten. Als die Wenigerwagenkutsche ankam, stellten wir entzückt fest, dass diese womöglich in dieselbe Richtung wie wir wollten, denn sie bestiegen vergnügt dieselbe Kutsche. Wir setzten uns gleich hinter die beiden. Vielleicht konnte man ja so erlauschen, ob sie wirklich zum Zaubermarkt wollten. Eine ganze Weile verging und wir wurden unsicher, ob wir uns auf dem richtigen Weg befanden. Die beiden vor uns sitzenden wechselten keine Worte und schauten verträumt aus den Fenstern der eisernen Wenigerwagenkutsche. Ich wandte mich leise zu meiner zukünftigen Gemahlin: "Soll ich die beiden fragen, ob sie auch zum Zaubermarkt gehen?" "Wenn Du Dich traust?", sagte sie mit demselben, ironischen Schmunzeln, welches im Moment auch durch mein Gesicht huschte. "Das ist keine Frage des Zutrauens! Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich die Antwort hören möchte", entgegnete ich vorahnungsvoll. In meinen Ohren erhoben sich erneut die unzähligen, ahnungslosen Stimmen der AGRA. Jenes hundertfach gehörte "Keine Ahnung", welches uns fast an den Rand des Verderbens gebracht hatte. Ich fasste Mut und tippte vorsichtig mit dem Zeigefinger auf die dunkle Schulter des vor mir sitzenden. "Fahrt ihr auch zum Zaubermarkt?" Die dunkle Gestalt wandte sich um: "Keine Ahnung!" Ein zischender Blitz fuhr durch mich hindurch auf den Kutschenboden und schlug einen klaffenden, endlosen Abgrund auf, in dem ich augenblicklich versank. Mit einem "Nein!" hatte ich gerechnet aber nicht mit "Keine Ahnung!" Während ich immer tiefer fiel, verdichteten sich die grauen Schleier vor meinen Augen zu einer Vision. Ich konnte etwa achtzig Jahre in die Zukunft sehen. Zwei Kinder spielten mit Murmeln gefährlich nah am Rande einer stillgelegten Wenigerwagenkutschenroute. Während die beiden die Glaskugeln mit ihren Fingern in eine muldenförmige Vertiefung schnipsten, erzählten sie sich die schaurige Geschichte von den zwei umherirrenden, mit schwarzen Bettlaken umhüllten Untoten, welche orientierungslos vergnügt mit einer Wenigerwagenkutsche, jährlich im Mai, geisterhaft durch Leipzig fuhren. Viele, viele Kinder, die am Rande einer stillgelegten Wenigerwagenkutschenroute spielten, sollten schon auf geheimnisvolle Weise verschwunden sein, meinte das ältere der beiden und grinste hämisch. Plötzlich sprang das jüngere verstört auf. Sein Mund öffnete sich weit und kreischte in atemberaubender Stille einen lautlosen Schrei. Der Boden erbebte und ich konnte eine gewaltige, heranbrausende Wenigerwagenkutsche sehen. Zwei breit grinsende Totenkopffratzen liessen sich weit aus dem Fenster hängen und ihre knochigen, mit Glöckchen behängten Finger spielten im Fahrtwind. Das Bild verschwand und ich klatschte am Boden des Abgrundes auf. Unverzüglich verliessen wir die Kutsche und liessen die beiden von dannen ziehen. Ich warf ihnen einen langen ausgedehnten Blick nach, bevor ich die eisigen Schauer von meinem Rücken schütteln konnte. Das war nun wirklich zuviel. Das letzte Zusammentreffen mit der schwarzen BrutWir begruben unsere vorläufigen Vorhaben und schlenderten bis in den Abend hinein in Leipzig herum, assen in einem ausgesprochen guten römischen Wirtshaus zu mittag, tranken heisses Gebräu, hergestellt aus braunen Bohnen und vertrödelten die Zeit - ganz ohne Bettlakenkolonnen, Geisterkutschenfahrer, tölpelige Torwächter und dergleichen. Am Abend juckte uns doch der Drang einem letzten Konzert zu beizuwohnen. Wir besuchten die Vorstellung des letzten germanischen Minnesängers, die im Schauspielhaus stattfand. Es war nicht den dunklen Wesenheiten zu verdanken, dass wir dorthin gelangten, sondern einer frisch erstandenen Karte Leipzigs, welche man in der Nähe der Haltestelle der grossen, eisernen Vielwagenkutschen kaufen konnte. Das Konzert war angenehm, ebenso der erfrischende Witz des Minnesängers. Einer jener wenigen Treffenkünstler, der zurecht von sich behaupten durfte, Sänger zu sein. Etwas Mitleid für den Minnenden löste allerdings der Umstand aus, dass eine der drei, aus dem Publikum gewählten, beminnten Jungfern, ein getarnter Jungferich war - dazu noch, zumindest als Jungfer verkleidet, ausgesprochen hässlich wirkend, zur Vertreibung von Vogelscharen sich vortrefflich eignend. Wir schlenderten nach dem Konzert - durch die bevorstehende Abreise mit der Welt versöhnt - noch ein allerletztes Mal zum Mittelaltermarkt. Wir assen eine mit Apfelmus und Zimt gefüllte Teigtasche und schauten dem Treiben der schwarzen Leintücher zu. Diese versuchten sich immerfort mit blitzenden Apparaten die Seele zu rauben - was natürlich völliger Unfug war; was gäbe es da wohl zu klauen? - und posierten dabei in immer noch künstlicher wirkenderen Haltungen. Eine allerletzter Rundgang durch die Moritzbastei führte an einem dunkel klirrend, pulsierend quietschenden, wabernd kreischenden Saal vorbei, indem einige Leid zelebrierende Dunkelheiten tanzten, wie eine Horde kranker Enten mit schweren Verdauungsstörungen. Sei's drum, wir kehrten den Gestalten den Rücken und überliessen sie ihrem selbst beschworenen, auf ewig und bis in alle Unendlichkeit andauernden, verzückt gequälten Untergang. Auf das sie ihrem Leitspruch folgend, leiden, leiden, leiden mögen, in Ewigkeit, Amen. Wir verliessen diesen unbeschreiblichen Ort und wussten, dass wir niemals wiederkehren würden. Wir verbrannten die rasch abgezupften Teufelsbänder und bestiegen die einladend gemütliche Vielwagenkutsche, die uns zurück in unsere Heimat brachte. SchlussDas war nun die schreckensschaurige Erzählung vom Wave-Gotik-Treffen 1999 - eines der schlimmsten Wochenenddesaster jüngster Zeit. Und wenn Ihr Leut das nächste Jahr - ungeachtet meiner Warnung - zu den Dunkelheiten pilgert, so nehmt reichlich Proviant, warme Decken für kalte Nächte, eine Ueberlebensausrüstung bestehend aus einem Holzpflock und reichlich Knoblauch, sowie molybdängestählte, titanummantelte Nervenstränge mit. Auf ein WortDoch nur noch auf ein Wort ihr dunklen Wesenheiten zu Leipzig! Ist wohl das feurig funkelnde Augenpaar, das euch zu nächtlicher Stunde folgt, das meinige? Meint ihr wohl meine eisige Hand im Traum am Hals zu spüren? Bin ich des kühlen Schauers Ursprung, der eure Handflächen netzt? Verleiht der Zorn Gedanken Flügel? Ueberwindet er die Zeit und den Raum? Bin ich des kleinen Zufalls Lenker, der euch den Tag vermiest - die noch dunklere Kraft, die euch jetzt zu schaffen macht?
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